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Anfragenmanagement im Neubau: So behalten Bauträger und Projektentwickler den Überblick über Projekte und Einheiten

Sohib Falmz
20.01.2026
Anfragenmanagement im Neubau: So behalten Bauträger und Projektentwickler den Überblick über Projekte und Einheiten

Warum Anfragenmanagement im Neubau oft zum Engpass wird

Im Projektvertrieb entsteht die größte Unruhe selten durch zu wenige Anfragen, sondern durch fehlende Struktur: E-Mails, Telefonnotizen, Kontaktformulare, Portale und persönliche Empfehlungen laufen parallel ein. Ohne klare Zuordnung und Zuständigkeiten entstehen typische Risiken:

  • Verzögerte Reaktionszeiten, weil unklar ist, wer antwortet.
  • Doppelte oder widersprüchliche Kommunikation, wenn mehrere Personen denselben Kontakt bearbeiten.
  • Fehlende Transparenz, welche Einheiten nachgefragt sind und wo Nachfrage ausbleibt.
  • Schwierige Auswertbarkeit (z. B. Quellen, Nachfrage pro Einheit, Conversion je Projektphase).
  • DSGVO-Risiken, wenn personenbezogene Daten in privaten Postfächern, Excel-Dateien oder Chat-Verläufen verteilt sind.

Im Neubau kommt hinzu: Eine Anfrage ist selten „nur ein Lead“. Sie hängt immer an Projekt, Einheit, Preispunkt, Verfügbarkeit und häufig an Varianten (Stellplatz, Sonderwünsche, Finanzierung). Ein gutes Anfragenmanagement muss genau diese Ebene abbilden.

Grundprinzip: Anfragen müssen auf Projekt- und Einheitsebene landen

Viele Vertriebsorganisationen erfassen Anfragen „kontaktzentriert“: Person, Kontaktdaten, Notiz. Für Neubauprojekte reicht das nicht. Entscheidend ist die Einheitenlogik, denn sie steuert:

  • welche Informationen der Interessent wirklich braucht (Grundriss, Exposé, Preis, Hausgeld, Baubeschreibung),
  • welcher Status sinnvoll ist (Reservierung, Unterlagen versendet, Besichtigung, Finanzierung, Notartermin),
  • welche internen Schritte folgen (Freigaben, Dokumente, Abstimmungen mit Projektleitung).

Praxisregel: Jede Anfrage sollte spätestens nach der Erstqualifizierung einem Projekt und – wenn möglich – einer konkreten Einheit zugeordnet werden. Ist die Einheit noch offen, sollte eine „Wunschliste“ (z. B. 3-Zimmer, Südwest, Budget X, Etage Y) dokumentiert werden, damit eine spätere Zuordnung nachvollziehbar bleibt.

Typische Bruchstellen in der Praxis (und wie man sie schließt)

1) Eingänge sind verteilt

Anfragen kommen über Website, Portale, Maklernetzwerk, Telefon und Events. Problematisch ist nicht die Menge, sondern die Verteilung. Wenn Eingänge nicht zentral zusammenlaufen, fehlen:

  • eine vollständige Historie,
  • ein einheitlicher Bearbeitungsstandard,
  • eine verlässliche Messbarkeit der Reaktionszeit.

Lösung: Zentrale Erfassung mit klarer Quelle und Zeitstempel. Wichtig ist, dass alle Kanäle in einem Arbeitsvorrat landen, den das Team verbindlich nutzt.

2) Unklare Zuständigkeiten

„Wer ist dran?“ ist ein Klassiker. Im Neubau wechseln Zuständigkeiten zudem nach Projektphase: Vorvertrieb, Vermarktungsstart, Abverkauf, Nachfassphase. Ohne Regeln entsteht Stillstand.

Lösung: Lead-Zuordnung nach definierten Kriterien, z. B.:

  • Projektverantwortung (Projekt A immer Team X),
  • Einheitencluster (Häuser, Bauabschnitte),
  • Kapazität/Vertretung (Round Robin, Urlaubsregel).

Wichtig ist eine nachvollziehbare Übergabe: Wer übernimmt, sieht den bisherigen Verlauf und die internen Notizen.

3) Status bedeutet bei jedem etwas anderes

„In Bearbeitung“ kann heißen: Unterlagen rausgeschickt, Rückfrage offen, Finanzierung unklar, Entscheidung vertagt. Ohne gemeinsame Statuslogik kann man weder steuern noch berichten.

Lösung: Ein Statusmodell, das zu Neubau passt. Beispiel (vereinfachte Stufen):

  • Neu (unbearbeitet, Erstkontakt ausstehend)
  • Qualifiziert (Bedarf und Budget grundsätzlich passend)
  • Unterlagen versendet
  • Termin/Begehung
  • Reservierung angefragt / reserviert
  • In Kaufabwicklung (Finanzierung/Notar)
  • Abgeschlossen (verkauft / verloren / unpassend)

Dazu gehören eindeutige Regeln: Wann wird ein Status gesetzt? Wer darf reservieren? Welche Pflichtangaben müssen vor „Reserviert“ vorliegen (z. B. Identität, Finanzierungsnachweis, Reservierungsvereinbarung)?

Wenn Sie Ihr Statusmodell einmal sauber definieren und auf Projekt- und Einheitsebene anwenden möchten, können Sie das in einem kurzen Austausch konkretisieren: Projektanforderungen besprechen

Die 7 Bausteine für belastbares Anfragenmanagement

1) Einheitliche Datengrundlage

Ohne Mindeststandard bleibt die Qualität zufällig. Legen Sie Pflichtfelder fest, die jede Anfrage enthalten sollte:

  • Kontakt (Name, E-Mail/Telefon)
  • Quelle (Portal, Website, Empfehlung, Event)
  • Projekt
  • Einheit oder Suchprofil
  • Zeithorizont (sofort / 3–6 Monate / später)
  • Budget/Finanzierungsstatus (sofern freiwillig angegeben)

Wichtig: Nicht alles muss im Erstkontakt abgefragt werden. Aber es muss einen festen Punkt im Prozess geben, an dem Qualifizierungsdaten nachgezogen werden.

2) Klare Einheitenübersicht und Verfügbarkeitslogik

Vertriebsteams brauchen eine verlässliche Sicht auf den Bestand: frei, reserviert, verkauft, blockiert (z. B. Musterwohnung, interner Vorbehalt). Wenn Verfügbarkeit in Excel gepflegt wird, entsteht schnell eine zweite Wahrheit.

Praxis-Tipp: Definieren Sie Reservierungsfristen und automatische Wiedervorlage. Eine Reservierung ohne Ablaufdatum ist keine Reservierung, sondern ein Blindflug.

3) Interne Notizen und nachvollziehbare Historie

Viele Missverständnisse entstehen, weil Kontext fehlt: „Hat der Interessent die Stellplatzfrage geklärt?“ „War der Rabatt zugesagt?“ „Welche Einheit wurde als Alternative angeboten?“

Eine saubere Historie enthält:

  • alle Kontaktpunkte (E-Mail, Telefon, Termine),
  • interne Vermerke (nicht kundenfähig),
  • Dokumente/Versandstände (z. B. Exposé, Grundriss, Baubeschreibung).

So wird Vertretung möglich, ohne dass Qualität leidet.

4) Standardisierte Kommunikation (ohne Textbaustein-Overkill)

Im Neubau wiederholen sich Antworten: Verfügbarkeit, Kaufnebenkosten, Ausstattungsvarianten, Stellplätze, Zeitplan. Standardisierte Vorlagen sparen Zeit, aber nur, wenn sie:

  • projektbezogen gepflegt werden (Texte passen zum Objekt),
  • variabel sind (Einheit, Preis, Grundrisslink),
  • mit einer klaren nächsten Aktion enden (z. B. Terminvorschlag).

5) Aufgaben und Wiedervorlagen statt „Ich merke mir das“

Nachfassen ist im Neubau entscheidend, weil Entscheidungen Zeit brauchen. Ein gutes Anfragenmanagement übersetzt Status in konkrete nächste Schritte:

  • Wiedervorlage nach Unterlagenversand (z. B. 48–72 Stunden)
  • Check-in nach Besichtigung
  • Frist-Reminder bei Reservierung
  • Rückfrage an Projektleitung (Sonderwunsch, Teilung, Stellplatz)

Die Regel ist simpel: Jede Anfrage hat einen nächsten Termin oder einen Abschlussgrund. Alles dazwischen ist Unsicherheit.

6) Transparenz für Projektleitung und Management

Projektvertrieb ist kein reiner Vertriebskanal, sondern Teil der Projektsteuerung. Projektleitung braucht belastbare Signale:

  • Welche Einheiten ziehen Nachfrage?
  • Wo hakt es (Preis, Grundriss, Lage, Ausstattung)?
  • Wie entwickeln sich Reservierungen und Abverkäufe über die Zeit?
  • Welche Quellen liefern passende Interessenten?

Mit projekt- und einheitenbezogenen Auswertungen können Sie Entscheidungen besser begründen: Preisanpassungen, Grundrissvarianten, Vermarktungsschwerpunkte, Vertriebsressourcen.

7) DSGVO: Zugriff, Zweckbindung, Löschung

DSGVO-Konformität entsteht nicht durch eine Datenschutzerklärung, sondern durch Prozessdisziplin:

  • Zugriffsrechte: Wer darf welche Projekte sehen?
  • Dokumentation: Warum wurden Daten erfasst (Zweck)?
  • Aufbewahrung/Löschung: Wann werden Anfragen ohne Abschluss gelöscht oder anonymisiert?
  • Einwilligungen: Newsletter/Marketing nur mit sauberer Grundlage.

Gerade im Neubau ist die Versuchung groß, „für später“ zu speichern. Legen Sie stattdessen klare Fristen und Kriterien fest.

Wenn Sie prüfen möchten, wie eine strukturierte Anfragen- und Vertriebszentrale auf Projekt- und Einheitsebene DSGVO-praktisch abbildet, ist ein kurzer Blick in Ihren Ablauf oft am hilfreichsten: Kontakt aufnehmen

Integration statt Parallelwelt: Bestehende Systeme sinnvoll anbinden

Viele Unternehmen haben bereits ein CRM oder ERP-Umfeld. Im Neubau scheitert es jedoch oft an der Projekt- und Einheitenlogik: Das CRM bildet Kontakte gut ab, aber nicht die operative Steuerung je Einheit (Reservierungsfristen, Einheitenstatus, Projektstruktur, Vertriebshistorie).

Ein praxistauglicher Ansatz ist daher eine klare Aufgabenverteilung:

  • Inquiries & Einheitentracking in einer zentralen Vertriebs- und Anfrageorganisation auf Projekt-/Einheitsebene.
  • Kundenstammdaten, Reporting, Folgeprozesse weiterhin im bestehenden System, soweit sinnvoll.

Entscheidend ist, dass Doppelpflege vermieden wird und Zuständigkeiten klar sind: Wo entsteht die „führende Wahrheit“ für Verfügbarkeit, Status und Kommunikation?

Checkliste: In 30 Tagen zu mehr Ordnung im Anfragenprozess

  • Woche 1: Eingangskanäle inventarisieren, zentrale Erfassung festlegen, Mindestdaten definieren.
  • Woche 2: Statusmodell beschließen (inkl. Kriterien), Zuständigkeiten und Vertretung regeln.
  • Woche 3: Einheitenübersicht und Verfügbarkeitsregeln festziehen (Reservierungsfrist, Blockierungen, Dokumentation).
  • Woche 4: Wiedervorlagen/Follow-ups verbindlich machen, Auswertungsskizze definieren (Nachfrage je Einheit/Quelle/Phase), DSGVO-Fristen festlegen.

Wenn Sie diese Punkte umgesetzt haben, verbessert sich nicht nur die Reaktionszeit. Vor allem steigt die interne Sicherheit: Vertrieb, Projektleitung und Management arbeiten mit derselben Sicht auf Projekt, Einheiten und Pipeline.

Merksatz: Im Neubau ist die zentrale Frage nicht „Wie viele Leads haben wir?“, sondern „Welche Anfragen hängen an welcher Einheit – und was ist der nächste Schritt?“

Für einen neutralen Abgleich Ihrer Checkliste mit typischen Neubau-Workflows können Sie sich unkompliziert einen Termin sichern: Unverbindliches Gespräch anfragen

Fazit: Struktur schlägt Bauchgefühl

Anfragenmanagement im Neubau ist dann erfolgreich, wenn es die Realität des Projektvertriebs abbildet: viele Kanäle, lange Entscheidungswege, Einheitenlogik, Reservierungsregeln und ein Team, das verlässlich zusammenarbeitet. Wer Anfragen zentral erfasst, sauber zuordnet, Status eindeutig definiert und Wiedervorlagen etabliert, gewinnt vor allem eines: Transparenz – für den Vertrieb und für die Projektsteuerung.

Wenn Sie konkrete Fragen zu Prozessdesign, Statuslogik oder zur Anbindung an Ihre bestehende Systemlandschaft haben, schreiben Sie kurz: Per E-Mail anfragen

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